5. Die Sprachtherapie im Krankenhaus Lindenbrunn, 31861 Coppenbrügge

5.1. Sollten Angehörige Sprachtherapie mit den Betroffenen durchführen?

Neben der sprachlichen Anpassung aller Beteiligten an die Aphasie ist natürlich auch eine gezielte sprachliche Förderung notwendig. Diese gezielte Förderung geschieht durch den Sprachtherapeuten. Häufig wünschen Angehörige, auch therapeutisch mit dem Betroffenen zu arbeiten. Dieses ist jedoch meist nicht sinnvoll.

Sprachtherapie durchzuführen bedarf einer genauen Diagnose der sprachlichen Möglichkeiten eines von Aphasie Betroffenen und Kenntnisse darüber, wie daraus entsprechende Therapieschritte und -inhalte abgeleitet werden können. Wählen Angehörige, aus dem Bedürfnis heraus zu helfen falsches Material oder falsche Methoden aus, so kann dieses sehr schnell zu einer Unter- oder Überforderung des Betroffenen führen, was bei den Betroffenen häufig zu Frustration oder auch Aggression führt.

Hinzu kommt, dass die Rollen in der Partnerschaft sich ändern, wenn plötzlich ein Partner zum Therapeuten wird. Er ist damit plötzlich derjenige, der "bestimmt", was richtig und was falsch ist und ein Gespräch dient nicht mehr der Unterhaltung, sondern wird mit therapeutischem Inhalt gefüllt. Wichtig für den Menschen mit einer Aphasie ist es aber, sein gewohntes Leben soweit wie möglich weiterzuführen und zu lernen, mit seinen verbliebenen sprachlichen Fähigkeiten möglichst selbständig zu kommunizieren.

Es ist daher in aller Regel besser, therapeutische Inhalte den Sprachtherapeuten zu überlassen. Sie brauchen auch keine Bedenken zu haben, dass die Zeit, in der therapiert wird, nicht ausreicht. Wenn Sie die im vorangegangenen Abschnitt angesprochenen Kommunikationsregeln beachten, ist ein persönliches Gespräch über vertraute Themen für die sprachliche Entwicklung mindestens genauso wertvoll, wie die gezielte Sprachtherapie.

Einige Betroffene wünschen aber auch, daß ihre Angehörigen mit ihnen sprachliche Übungen durchführen. Reden Sie mit Ihrem Sprachtherapeuten darüber und besprechen Sie, welche Inhalte hier sinnvoll sind !

 

5.2. Vorgehen der Sprachtherapie

Kontaktaufnahme

Nach der Aufnahme im Krankenhaus, nimmt der zuständige Sprachtherapeut zunächst Kontakt mit dem Betroffenen in dessen Zimmer auf. Da viele Patienten bei Aufnahme noch bettlägerig sind, wird hier ein erstes Gespräch geführt. Dabei kann der Therapeut beurteilen, ob der Betroffene aufgrund seiner körperlichen Verfassung und seiner Fähigkeit zu kommunizieren bereits für gezielte Therapie aufnahmefähig ist und welche sprachlichen Auffälligkeiten sich im Gespräch zeigen. Ist der Patient noch zu schwach für gezielte Therapie, so geschehen diese Kontakte am Bett täglich.

Diagnose

Sind die Patienten aufnahmefähig und im Rollstuhl mobilisiert, so wird ein Aphasie-Test durchgeführt, durch den genau bestimmt werden kann, welche sprachlichen Leistungen erhalten und welche gestört sind. Aufgrund der Testergebnisse werden die Patienten für eines oder mehrere der sprachtherapeutischen Angebote angemeldet:

Einzeltherapie

In der Regel erhalten Patienten mit einer Aphasie täglich Einzeltherapie. Hier werden aufgrund der in der Diagnose festgestellten sprachlichen Symptomatik individuelle Ziele formuliert und systematisch therapiert. Schwerpunkte dabei sind die Verbesserung des Sprachverständnisses und der Wortfindung. Außerdem werden Kommunikationsstrategien entwickelt, die es dem Betroffenen erleichtern, sich mit seinen verbliebenen sprachlichen Möglichkeiten verständlich zu machen.

Gruppentherapie

In vielen Fällen erhält der Patient zusätzlich zur Einzeltherapie eine Gruppentherapie. Diese ergänzt zum einen die individuelle Förderung, zum anderen steht in der Gruppe der kommunikative Aspekt von Sprache, also sich mit anderen zu verständigen, noch stärker im Vordergrund.
Für Betroffene mit schweren Einschränkungen des Sprachverständnisses bietet die Gruppe darüber hinaus die Möglichkeit, zunächst durch Beobachtung und Imitation der anderen Gruppenteilnehmer, Dinge wahrzunehmen und Aufgabenstellungen zu verstehen.

Schreibtherapie

Da die meisten aphasischen Menschen gar nicht oder nur fehlerhaft schreiben können, werden hier unter therapeutischer Anleitung schriftliche Übungen durchgeführt. Neben der Therapie der Schreibstörung wird durch inhaltliche Auswahl der Übungen (z.B. spezielle Wortfindungsübungen) auch die Einzeltherapie unterstützt.

Lern- und Computerprogramme

Es gibt für die Therapie von Aphasien eine Reihe von Lern- und Computerprogrammen. Die Sprachtherapie im Krankenhaus Lindenbrunn ist mit den modernsten Medien und Therapiematerialien ausgestattet, so daß auch derartige Programme zum Einsatz kommen.

Häufig wird von Angehörigen gefragt, ob es nicht sinnvoll sei, für zu Hause solche Programme anzuschaffen, damit der Betroffene selbständig üben kann. Es gibt mehrere Gründe, die dagegen sprechen:

5.3. Ambulante Sprachtherapie nach dem Krankenhausaufenthalt

Am Ende des stationären Behandlung wird ein Abschlussbefund erhoben. Dabei wird festgestellt, welche Fortschritte der Betroffene erreicht hat und ob die ambulante Fortführung der Sprachtherapie notwendig ist.

In den meisten größeren Orten gibt es niedergelassene Sprachtherapeuten oder -therapeutinnen, bei denen Menschen mit Aphasien Therapie erhalten können. Entsprechende Adressen nennt Ihnen Ihr Sprachtherapeuten im Krankenhaus Lindenbrunn. Sie finden die Adressen auch im Branchenbuch unter dem Stichwort "Logopädie".
Wenn ein Entlassungstermin aus dem Krankenhaus feststeht, sollten Sie sich frühzeitig bei einem niedergelassenen Therapeuten anmelden, da hier oft längere Wartezeiten bestehen.


Inhalt