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Alle 2 Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall, das sind mehr als 250000 Betroffene im Jahr (vergl. STERN 26, 1992 S.112). Mehr als ein Drittel der Erkrankten sterben innerhalb der ersten 30 Tage. Viele der Überlebenden müssen mit Behinderungen leben lernen. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Störungen der Kommunikationsfähigkeit eines Menschen, gefolgt von Schädel-Hirn-Verletzungen und Hirntumoren (vergl. LEISCHNER 1983 S. 68). Als Folge der Hirnerkrankungen kann es zu Sprachstörungen unterschiedlichen Ausmaßes kommen, diese fasst man unter dem Begriff APHASIE zusammen. APHASIEWas ist das ?Das Wort 'Aphasie' bedeutet soviel wie "Verlust der Sprache". Das beinhaltet, daß eine Aphasie immer nach vollzogenem Spracherwerb auftritt und somit nicht mit Sprachstörungen verwechselt werden darf, die durch angeborene Schädigungen auftreten, z.B. die 'Taubstummheit'. Ursache einer Aphasie ist immer eine Hirnschädigung (durch Schlaganfall, Unfall, Tumore). In den allermeisten Fällen ist beim Auftreten einer Aphasie die linke Gehirnhälfte geschädigt, da hier das Sprachzentrum bei den meisten Menschen liegt. Aphasie ist eine SPRACHstörung und unterscheidet sich damit von SPRECHstörungen, die die gleichen Ursachen haben. Solche Sprechstörungen sind die 'Dysarthrophonie' oder die Sprechapraxie.Hierbei ist der Sprechbewegungsapparat gestört, der Betroffene hat Schwierigkeiten, Wörter und Sätze richtig zu artikulieren. Das Verstehen, Lesen und Schreiben ist nicht gestört. Auch hat der Betroffene keine Schwierigkeiten die richtigen Wörter zu finden. Anders bei der APHASIE: hier ist der gesamte Bereich der Sprache mehr oder weniger betroffen. Dabei ist die Art der Sprachstörung bei fast jedem Betroffenen anders. Man kann aber im Groben verschiedene Gesetzmäßigkeiten erkennen. Je nachdem wie schwer die Sprachstörung ist und welche Bereiche am schwersten betroffen sind, unterscheiden POECK und Mitarbeiter (1987) folgende aphasische Syndrome: 1. Globale Aphasie
1. Globale Aphasie:Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasien, da
hier alle sprachlichen Bereiche stark gestört sind. Nach POECK
(1987) zeigen sich folgende Leitsymptome (die Symptome, an denen
sich dieses Störungsbild am deutlichsten festmachen lässt): Falls es überhaupt sprachliche Reaktionen gibt, sind diese durch starke Sprechanstrengung und schlechte Artikulation kaum verständlich. Häufig kommt es auch zu 'Sprachautomatismen', d.h. bestimmte Floskeln (z.B. "eins,eins,eins..." oder "genau so, genau so") werden unabhängig von der Situation immer wieder gebraucht. Bei vielen Menschen mit globaler Aphasie ist aber die Intonation, also der Sprechklang sehr gut erhalten. Sie ermöglicht es dem Betroffenen, trotz eingeschränkter Fähigkeit sich sprachlich zu äußern, eine kommunikative Absicht beim Gesprächspartner zu verdeutlichen und auszudrücken. So können Inhalte, wie Zustimmung, Ablehnung oder Fragen allein durch die Intonation, z.B. der Redefloskeln ausgedrückt werden. Ein kurzes Beispiel für ein Gespräch zwischen Patient und Sprachtherapeut (aus LUTZ 1992 S. 41):"Herr G. war gebeten worden, ein Bild
zu beschreiben, das einen Vater und mehrere Kinder im Wohnzimmer
zeigte: Häufig, besonders bei schweren Sprachstörungen, besteht bei Angehörigen die Hoffnung, der Betroffene könne sich wenigstens über das Schreiben verständlich machen. Da aber Schrift- und Lautsprache in hohem Maße voneinander abhängig sind, kann dieses nur sehr eingeschränkt erfolgen. Hier ein Beispiel für den Versuch eines
Menschen mit globaler Aphasie, seinen Namen zu schreiben (aus
LUTZ 1992, S. 41): 2. Broca-Aphasie:Folgende sprachliche Leitsymptome sind für die Broca-Aphasie
charakteristisch (nach POECK 1987): Häufig werden Wörter durch phonematische Paraphasien verändert, wobei einzelne Laute oder Silben ausgelassen, umgestellt oder entstellt werden (z.B. "Meksel" statt "Messer"). Das Sprachverständnis ist nur relativ gering gestört. Allerdings orientieren sich Menschen mit Broca-Aphasie häufig an den bedeutungstragenden Wörtern in einem Satz und bekommen Schwierigkeiten wenn der Sinn einer Äußerung von den Funktionswörtern abhängt. Eine Unterscheidung der Bedeutung folgender Sätze würde Ihnen schwer fallen (aus LUTZ 1992 S. 43): a) Die Mutter hat sich noch nicht gewaschen. b) Die Mutter hat sie noch nicht gewaschen. Auch die Sprachverarbeitung ist häufig verlangsamt, so dass die Betroffenen beim (Zu)hören große Mühe haben, das Gesagte schnell genug aufzunehmen. Hier ein Beispiel für ein Gespräch mit einem Menschen mit Broca-Aphasie (aus LUTZ S.43):Therapeut: Konnten Sie gestern die Sonne
genießen? Das Schreiben ist bei Menschen mit Broca-Aphasie in ähnlicher
Weise gestört, wie das Sprechen. Es kommt bei Sätzen zu
Auslassungen von Wörtern und bei einzelnen Wörtern zu
Entstellungen, die z.T. den Fehlern in der Lautsprache
entsprechen. Häufig ist die Information, wie ein Wort
geschrieben wird einfach nicht mehr ausreichend vorhanden. Hier
ein Beispiel, bei dem einem Patienten Wörter diktiert wurden: 3. Wernicke-AphasieFolgende Symptome sind charakteristisch für die Wernicke-Aphasie (nach POECK, 1987): Die Sprachmelodie der Spontansprache ist bei Menschen mit Wernicke-Aphasie normal, auch die Phrasenlänge und die Sprechgeschwindigkeit entsprechen der Normalsprache. Auffällig ist jedoch, dass die Rede durch viele phonematische Paraphasien ('Wortverdrehungen', z.B. Spille statt Spinne) und semantische Paraphasien ('Wortverwechslungen' z.B. Stuhl statt Tisch) entstellt ist. Es kommt zur Bildung von Neologismen (Wortneuschöpfungen) bis zur völligen Unverständlichkeit der Sprache (phonematischer Jargon). Der Satzbau ist bei der Wernicke-Aphasie stark gestört. Es kommt zu Satzabbrüchen, zu Verschränkungen von Sätzen, zu fehlerhaften Kombinationen und Stellungen von Wörtern und zur Verwendung falscher Endungsformen. Auch das Sprachverständnis in der Unterhaltung ist erheblich gestört. Dabei merken die Betroffenen auch nicht, dass ihre eigene Sprachproduktion nicht richtig ist und können dann häufig nicht begreifen, warum ihr Gesprächspartner sie nicht versteht. Sie suchen dann die 'Schuld' eher beim Gesprächspartner als bei sich. Im Gegensatz zu Menschen mit Broca-Aphasie haben Betroffene von Wernicke-Aphasie in der Regel also kein Störungsbewusstsein und keinen verminderten Sprachgebrauch. Man erlebt sie im Gegenteil häufig euphorisch und mit ungehemmten Rededrang (Logorrhoe), d.h. sie können keine kurzen Antworten geben, sondern produzieren einen ganzen Wortschwall. Ein eindrucksvolles Beispiel für eine Unterhaltung mit einem Menschen mit Wernicke-Aphasie findet sich bei LUTZ 1992:Th.: Da wo Sie wohnen, haben Sie da auch
einen Garten ? Die Schriftsprache ist in gleicher Weise gestört wie die Lautsprache. Es treten häufig Überproduktionen von Buchstaben und Buchstabenkombinationen auf. Folgende Wörter wurden einem Betroffenen
diktiert: locker, Topfpflanze, Pyjama, Kuvert, Leichtmetalleiter,
Kontoführungsgebühren. 4. Amnestische Aphasie.Die amnestische ist die leichteste Form der Aphasien. Folgende Leitsymptome sind charakteristisch für dieses Störungsbild (nach POECK 1987): Die Rede wird häufig durch Wortfindungsstörungen unterbrochen, wobei der Sprechfluss und die Prosodie (Tonhöhe, Betonung, Lautdauer) gut erhalten sind. Auch der Satzbau ist weitgehend intakt. Haben die Betroffenen Wortfindungsstörungen, so kommt es zu Ersatzstrategien um dem Kommunikationspartner die Störung nicht bemerken zu lassen. Ersatzstrategien können sein:
Es treten auch einige phonematische und semantische Paraphasien auf, wobei letztere meist aus dem engeren Bedeutungsumfeld des Zielwortes stammen (z.B. Löffel statt Messer). Insgesamt wirkt die Rede der Patienten mit amnestischer Aphasie relativ intakt, sie fällt jedoch durch ihren geringen Informationsgehalt auf. Das Sprachverständnis ist meist kaum gestört.
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